Samstagskolumne vom 06. Juni 2026 von Jörg Hoffmann


Der Atlantik regiert – Tiefs und Zwischenhochs im Wechsel

Der Sommer kocht auf Sparflamme

Juni zeigt sich bis auf Weiteres wechselhaft

Samstag, 06.06.2026: Nach der rekordverdächtigen dritten Mai-Dekade mit 6 Heißen Tagen und hochsommerlicher Witterung zum Finale des meteorologischen Frühlings – es dürte die längste Mai-Hitzewelle seit 1953 gewesen sein – weht nun im Juni zum Beginn des meteorologischen Sommers im wahrsten Sinne des Wortes ein anderer Wind.

Der in den Frühlingsmonaten meistens blockierte Atlantik ist wieder aktiv und führt Regie beim Wetter. Den Wetterumschwung bescherten in dieser Woche die Tiefs NESRIN und PEGGY – dabei fielen am Dienstag bei Schauern und einem Gewitter 8,1 mm Regen. Der Feiertag am Donnerstag war geprägt von Sturmtief PEGGY, das starke Schauer und kräftige Windböen im Gepäck hatte.

Auch in nächster Zeit halten die Tiefs richtiges Sommerwetter auf Abstand, sie bieten uns stattdessen einen abwechslunsgreichen Wetterablauf mit einem steten Wechsel von Tiefausläufern und Zwischenhochs mit kurzen Sonnenschein- und Wärme-Gastspielen, ehe wieder neue Kaltfronten für Schauer und Gewitter sorgen werden.

Wir liegen quasi zwischen den Stühlen in einer meist gemäßigten Luftmasse, denn über dem Nordostatlantik liegt ein umfangreicher Tiefdruckkomplex und über Südwesteuropa herrscht hoher Luftdruck. Dazwischen erreichen uns in der Westströmung immer wieder Ausläufer des steuernden Islandtiefs – eine typische Großwetterlage für einen Sommer, der früher, vor Zeiten der Klimaerwärmung die Normalität unseres Wetters in Mitteleuropa darstellte, denn Dauerhochdruck und Hitze, wie sie in den letzten Jahren im Sommer immer öfteres auftraten, gehört in den Mittelmeerraum und nicht in unsere gemäßigten Breiten.

Heute wandert Zwischenhoch DJAMSCHID nach Polen und bis zum Abend erreichen uns die Fronten von Tief QUELLA bei England. So wechseln sich heute zunächst wolkige und heitere Phasen ab, nachmittags nimmt die Bewölkung zu und abends zieht schauerartiger Regen durch. Die Höchstwerte liegen um 21 Grad.

Morgen folgt aus Frankreich rasch das nächste Zwischenhoch namens EMIL nach, es ist teils heiter, teils bewölkt und trocken bei einem böig auffrischenden Westwind. Die Temperaturen erreichen 20 bis 22 Grad.

Die Hochzelle EMIL verlagert sich am Montag schon wieder nach Osteuropa und wir geraten auf die Vorderseite des nächsten Höhentrog über Westeuropa, der bereits eine Tiefdruckrinne auf Deutschland übergreifen lässt. Zunächst zeigt sich der Montag längere Zeit sonnig bis leicht bewölkt und trocken. Nachmittags werden die Wolken rasch dichter und gegen Abend kommen kräftige Schauer und Gewitter auf. Mit 23 bis 25 Gard wird es sommerlich-warm. In der Nacht zu Dienstag gibt es mit der Passage der Kaltfront von Tief ROSI weitere Regenfälle.

Am Dienstag und Mittwoch überquert der Höhentrog Mitteleuropa und bei wechselnder Bewölkung sind wiederholt Schauer zu erwarten. Es wird windig und kühhler bei 15 bis 18 Grad.

Der Donnerstag zeigt sich schon etwas freundlicher, denn ein neuer Hochkeil streckt seine Fühler vom Azorenhoch aus, es ist wolkig mit Aufheiterungen und trocken bei Temperaturen um 20 Grad.

Am Freitag baut sich aus dem Keil eine neue Hochzelle über Mitteleuropa auf und es wird sonnig bei Erwärmung bis 24 Grad.

Das Wochenende wird zwar sommerlich, aber nicht ganz störunsgfrei, denn neue Tiefausläufer führen auf ihrer Vorderseite feuchte Subtropikluft heran. So gibt es eine schwül-warme, gewittrige Mischung aus Sonnenschein, Quellwolken und Schauer mit Blitz und Donner bei Höchstwerten von 25 bis 28 Grad.

Der zu Ende gegangene Mai war ein Wonnemonat der großen Kontraste, denn an den Eisheiligen war es sehr kühl und die dritte Dekade bescherte eine ungewöhnlich heftige Hitzewelle. So fiel der Mai mit einer Mitteltemperatur von 14,5 Grad gegenüber der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 um 2,0 Grad zu warm aus – im Vergleich zur wämeren Vergleichsperiode der Eiweiler Messsreihe 1989 bis 2018 war der Mai um 1,3 Grad zu warm. Mit einer Regensumme von 83,5 mm wurde das Soll um 9 Prozent überschritten – allerdings nur dank der hohen Tagessumme des Unwetters in Eiweiler vom 10. Mai mit 47,7 mm. Im Flächenmittel für das Saarland verbuchte der Mai mit nur 46 mm ein Defizit von 42 Prozent!

Der Frühling 2026 war mit eimem Mittelwert von 10,5 Grad um 2,1 Grad ebenfalls deutlich zu warm im Vergleich zur Referenzperiode – gegenüber der Eiweiler-Norm war er um 1,3 Grad zu warm. Alle drei Frühlingsmonate bescherten ungewöhnlich viele Sonnentage mit Hochdrucklagen, weswegen das Frühliung mit einer Regensumme von 143,9 mm auch 26 Prozent trockener als üblich ausfiel.

Fotos: Jörg Hoffmann

Der Klassiker bei unserem Wetter führt Regie: Islandtief und Azorenhoch sorgen für wechselhafte Witterung – der Sommer köchelt im Juni vorerst auf Sparflamme.